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München - Achim Beierlorzer hat am Freitag sein Endspiel mit dem 1. FC Köln. Bei SPORT1 spricht ein ehemaliger Profi der Geißböcke über die prekäre Situation.

Achim Beierlorzer bekommt sie also, die letzte Chance als Trainer des 1. FC Köln. Im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim am Freitagabend (Bundesliga: 1. FC Köln - TSG Hoffenheim, ab 20.30 Uhr im LIVETICKER). Von einer Gnadenfrist ist die Rede.

Was SPORT1 am Dienstagvormittag aus Vereinskreisen erfuhr, bestätigte der Klub dann wenig später offiziell.

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"Ich finde es vom Grundsatz her gut, dass der Trainer am Freitagabend auf der Bank sitzt. Ich bin immer dafür, dass man an jemandem festhält, wenn man überzeugt ist, dass gute Arbeit abgeliefert wird. Mir hat das aber alles viel zu lange gedauert, bis da eine konkrete Aussage kam", sagt der frühere FC-Profi Stephan Engels (236 Bundesliga-Spiele von 1978 bis 1989, zuvor schon in der Jugend beim FC) im Gespräch mit SPORT1.

Engels arbeitet aktuell als Spielerberater (unter anderem berät er seinen Sohn Mario vom SV Sandhausen und Wolfsburgs Yannick Gerhardt, Anm. d. Red.). Zudem ist der 59-Jährige noch in der Immobilienbranche tätig und arbeitet dort mit seinem Freund, der FC-Legende Wolfgang Overath, zusammen.

Doch woran hakt es nun bei den Geißböcken? "Das große Problem beim FC ist inzwischen, dass wir eine mitgliederfreundliche, aber vereinsmäßig schlechte Satzung haben. Wer da alles mitspricht: Mitgliederrat, gemeinsamer Ausschuss, Beirat, Vorstand und auch das Sportkompetenz-Team - das ist für mich unglaublich und im Profifußball nicht erfolgversprechend", meint Engels kopfschüttelnd.

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Derby-Pleite in Düsseldorf und Pokal-Aus

Der 1. FC Köln habe die größten Erfolge gefeiert, "als dort drei Leute etwas zu sagen hatten: Hennes Weisweiler, Peter Weiand und Karl-Heinz Thielen", betont Engels. "Da gab es kurze Wege und klare Entscheidungen. Man muss sich nur den FC Liverpool, die Bayern oder Pep Guardiola bei Manchester City, der dort fast alles alleine entscheidet, anschauen."

Der im Sommer vom Zweitligisten Jahn Regensburg verpflichtete Beierlorzer war nach der Derbypleite bei Fortuna Düsseldorf am Sonntag (0:2) schwer unter Druck geraten. Der Aufsteiger rutschte durch die Niederlage mit nur sieben Punkten nach zehn Spielen auf Rang 17 ab. Im Pokal scheiterten die Kölner vergangene Woche am Regionalligisten 1. FC Saarbrücken.

Ein Abschied steht unabhängig vom Spiel am Freitag bereits fest: Geschäftsführer Sport Armin Veh und der FC gehen im Sommer getrennte Wege. "Eine Vorauswahl von Kandidaten wurde bereits getroffen", teilte der Vorstand mit Blick auf Vehs Nachfolge mit. Nach SPORT1-Informationen ist es nicht ausgeschlossen, dass Veh im Falle einer Kölner Niederlage gegen Hoffenheim zusammen mit Beierlorzer den Verein verlässt.

Engels bedauert, dass Veh den Verein spätestens im kommenden Sommer verlassen wird, "aber mir war es klar, weil bei diesem ganzen Gremien-Wirrwarr am Ende nur diese Entscheidung stehen konnte."

Seiner Meinung nach würden Beierlorzer und Veh "schon funktionieren, das Problem ist zurzeit die Mannschaft. Von den Stürmern Anthony Modeste und Jhon Cordoba muss man ganz klar mehr erwarten. Beide sind weit von ihrer guten Form der Vergangenheit entfernt. Wenn man dann noch das Defensivverhalten zuletzt sieht, weiß man doch, wo anzusetzen ist."

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Engels glaubt an Sieg des 1. FC Köln gegen Hoffenheim

Doch der Ex-Profi, der beim FC schon in verschiedensten Funktionen tätig war und inzwischen die Traditionsmannschaft der Geißböcke organisiert, ist zuversichtlich, was das Schicksalsspiel für Beierlorzer angeht: "Letztendlich glaube ich an einen Sieg am Freitag."

Alles gut also bei einem Sieg gegen die Kraichgauer? "Beierlorzer sollte dann weitermachen", fordert Engels: "Dann haben der Trainer und Veh erst mal 14 Tage Ruhe und einige Spieler müssen in dieser Zeit gewisse Dinge beheben, um ihre Form wieder zu finden. Birger Verstraete, der ein wichtiger Spieler auf der Sechser-Position ist, kommt zum Glück wieder zurück."

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Leistungsträger wie Modeste und Risse im Fokus

Vor allem aber müssten bis Weihnachten noch "einige Siege" eingefahren werden, erklärt Engels, Beierlorzer sollte das dann "gemeinsam mit Veh durchziehen". Dafür habe der Coach "jetzt die Chance bekommen und wenn er gewinnt, dann hat er seinen Auftrag auch erst mal erfüllt."

Eine wichtige Frage sei jedoch, wie es um das Binnenklima innerhalb der Mannschaft bestellt ist. "Wie reagieren zum Beispiel Stammspieler wie unter anderem Modeste, Risse und Höger? Die Kabine ist ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs. Das sind alles Dinge, die auch eine Rolle spielen", betont Engels.

Um wieder Ruhe ins chronisch aufgeregte FC-Umfeld zu bekommen, hat er ein vermeintlich einfaches Erfolgsrezept: "Am besten am Freitag gewinnen - und danach richtige Entscheidungen treffen."

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